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Verbrannte Bücher, verfolgte Schriftsteller

Es war die Deutsche Studentenschaft, welche die „Aktion wider den undeutschen Geist" und die Bücherverbrennung ausheckte, vorbereitete und durchführte.

Um einen „symbolhaften Akt" sollte es sich dabei handeln. Aber die Reden und begleitenden Zeitungsartikel machten deutlich, dass die Täter das als Vorausdeutung auf das planten, was kommen würde: Von „ausmerzen", „vernichten", „ausrotten" und „aus dem Gedächtnis tilgen" war die Rede. Das war wörtlich gemeint.

Auf den Listen der zur Verbrennung bestimmten Literatur landeten wissenschaftliche und historische Werke, Unterhaltungsromane, politische Kampfschriften, Bücher von Kommunisten, Sozialisten, Demokraten, Pazifisten, Juden. Eines nur eint sie: Sie passten nicht ins Weltbild der Nationalsozialisten.

Viele, sehr viele der verfolgten Autoren waren miteinander befreundet; der Kreis der modernen, kritischen Dichter und Künstler war intensiv miteinander vernetzt. Mit ihrer Aktion trachteten die Nazis auch danach, diese gesamte Szene und die avantgardistische Buchkultur in Deutschland auf einen einzigen Streich zu zerschlagen. Das ist ihnen gelungen. Die Aktion „Entartete Kunst" stand 1937 unter dem Zeichen desselben Ungeistes.

Bücherverbrennungen gab es auch vor 1933 und nach 1945. Aber der 1933 unternommene Versuch, die komplette oppositionelle Kultur in einem Rundumschlag zu vernichten, ist historisch singulär.

Viele der betroffenen Autorinnen und Autoren vermochten die „Aktion wider den undeutschen Geist" genau zu interpretieren. Sie verließen das Land und gingen schon vor dem 10. Mai 1933 ins Exil – wie Joseph Roth, der im Februar 1933 schrieb: „Ich gebe keinen Heller mehr für unser Leben."

Andere, die nicht entkamen, wurden als „literarische Hochverräter" angeklagt, unter fadenscheinigen Begründungen in „Schutzhaft" genommen oder in den Kerker geworfen – wie Ludwig Renn, der nach dem Reichstagsbrand zu 30 Monaten Zuchthaus verurteilt wurde. Erich Mühsam wurde nach dem Reichstagsbrand in „Schutzhaft" genommen. Im KZ Oranienburg wurde er im Juli 1934 von der SS-Wachmannschaft ermordet. 

Für andere begann ein langjähriges Martyrium in Konzentrationslagern – wie für Carl von Ossietzky, der im Februar 1933 in Haft genommen und im April ins neu errichtete KZ Sonnenburg überstellt wurde. Im Jahre 1936 wurde ihm rückwirkend für das Jahr 1935 der Friedensnobelpreis zugesprochen, den er nicht annehmen durfte. Den Folgen der KZ-Haft erlag Carl von Ossietzky 1938.

Theodor Lessing wurde einfach ermordet. Im August 1933 erschossen ihn durch Ernst Röhm und seine SA persönlich gedungene Mörder in seinem tschechoslowakischen Exilort Marienbad.

Sehr viele, die das Land nicht verlassen konnten, gerieten durch das Verkaufsverbot für ihre Bücher in akute wirtschaftliche Not – wie Joachim Ringelnatz, der die ärztliche Behandlung seiner Tuberkulose nicht bezahlen konnte und 1934 daran starb. Nicht wenige nahmen sich aus Verzweiflung selbst das Leben – wie 1939 Ernst Toller. Einige überstanden die Repressionen der Nazi-Zeit relativ unbeschadet – wie Erich Kästner. Manche gingen in den Widerstand – wie Günther Weisenborn, der sich der Gruppe „Rote Kapelle" anschloss. Klaus Mann war nicht der einzige, der zur US-Army ging.

Im Exil halfen viele der verfemten Schriftsteller einander – ob sie nun wohlhabend oder selbst bettelarm waren. Das, was sie im Exil schrieben, wurde in Deutschland verboten – in den wissenschaftlichen Bibliotheken gleichwohl ebenso wie die „verbrannte" Literatur systematisch gesammelt, damit der „Schmutz und Schund" für die Naziwissenschaft zugänglich war.

Die Eilanordnung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes, das „schädliche Schrifttum" müsse „ausgemerzt werden", erging am 11. April 1933. Nicht einmal einen Monat später war dieser Befehl mit großem Erfolg umgesetzt.  

Den Schaden, den die braunen Horden in knapp einem Monat anzurichten wussten, haben wir nach 75 Jahren nicht gutmachen können. Viele Autorinnen und Autoren, deren Bücher 1933 ins Feuer geworfen wurden, sind heute vergessen. Wie die Nazis es wollten.  

An vielen Orten Deutschlands wird im Mai 2008 versucht, einen kleinen Beitrag im Kampf gegen das Vergessen zu leisten.

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Öffnungszeiten

Di bis So | 10 bis 18 Uhr | Eintritt frei

Führungen

Jeweils dienstags und donnerstags | 17 Uhr | für Gruppen auch nach Vereinbarung und telefonischer Voranmeldung: 0551/400-2485 | Eintritt frei

Aufgrund der großen Resonanz werden zusätzliche öffentliche Führungen (Eintritt frei) durch die Ausstellung angeboten:
24. Mai | ab 12.00 Uhr
31. Mai | ab 10.00 Uhr

Veranstalter

Stadt Göttingen | Fachbereich Kultur
Tel: (0551) 400 2486 | kultur@goettingen.de
www.goettingen.de

Georg-August-Universität Göttingen
www.uni-goettingen.de

Jüdische Gemeinde Göttingen e.V.
www.liberale-juden.de/cms/index.php?id=24