. .
> Start > Göttinger Bücherverbrennung > Zeitdokumente

„Wider den undeutschen Geist." 

Maßnahmen der Göttinger Studentenschaft – Verbrennung von „zersetzendem Schrifttum".

Am 5. Mai 1933 rief der Studentenführer Heinz Wolff in der Göttinger Zeitung alle „deutschen Volksgenossen" dazu auf, die eigenen Bibliotheken – und diejenigen ihrer Bekannten! – nach zur Verbrennung bestimmten Bücher zu durchsuchen, um diese dann bei von der Studentenschaft eingerichteten Sammelstellen abzuliefern. Der Text belegt, dass auch eine Reihe von studentischen Verbindungen (Turnerschaft Ghibellinia, die Landsmannschaften Gottinga und Cimbria, Turnerschaft Normannia) aktiv zur Vorbereitung der nationalsozialistischen Barbarei des 10. Mai beitrugen.

Bei der Kundgebung, die der Verbrennung voranging, zogen zahllose Verbindungsstudenten – gewiss nicht nur Mitglieder der oben genannten – mit; auf einem der erhaltenen Fotos der Geschehnisse auf dem damaligen Adolf-Hitler-Platz kann man Studenten mit den Zeichen ihrer Korporationen erkennen.

Innerhalb des Aufklärungsfeldzuges „Wider den undeutschen Geist" gibt der Zentrale Kampfausschuß der Göttinger Studentenschaft folgendes bekannt:

„Deutsche Volksgenossen! Der jüdische Geist, wie er sich in der Welthetze in seiner ganzen Hemmungslosigkeit offenbart und wie er bereits im deutschen Schrifttum seinen Niederschlag gefunden hat, muß ebenso wie der gesamte Liberalismus ausgemerzt werden. Nicht nur leerer Protest darf erhoben werden, sondern eine bewußte Besinnung auf die volkseigenen Werte muß einsetzen. Dieses kommt in den bekannten 12 Sätzen der Deutschen Studentenschaft klar zum Ausdruck.

Ein unmittelbarer Kampf hat einzusetzen: Gegen Albernheit und Dummheit — Gegen Mittelmäßigkeit und Unzulänglichkeit — Gegen dreiste Unfähigkeit — Gegen Schund und Schmutz — Gegen Krankheit und Verfall — Gegen das schleichende Gift der Dekadenz und der Zersetzung.

Hieraus ergeben sich die Folgerungen: Jeder Deutsche Volksgenosse säubert seine Bücherei von derartigen durch eigene Gedankenlosigkeit oder Nichtwissen hineingelangten Schriften! Jeder Deutsche Volksgenosse säubert die Büchereien seiner Bekannten und sorgt dafür, daß ausschließlich volksbewußtes Schrifttum darin heimisch ist. Denn wir wollen gegen Schund und Schmutz, aber für volksbewußtes Denken und Fühlen [Prädikat fehlt].

So hat die Göttinger Studentenschaft Sammelstellen errichtet, die das gesamte zersetzende Schrifttum aufnehmen sollen, das dann am 10. Mai 1933 den Flammen übergeben wird. Ein jeder liefere ab, ein jeder trage bei zu der Bereinigung des Deutschen Schrifttums. Ein jeder sorge dafür, daß das Deutsche Schrifttum ein reiner und unverfälschter Ausdruck des Deutschen Volkstums wird.

Die in Frage kommenden Bücher und Schriften sind in der Zeit von Sonnabend, 6. Mai, bis Dienstag, 9. Mai, an folgenden Stellen abzugeben: Studentenhaus, Wilhelmsplatz 3; Haus der Turnerschaft Ghibellinia, Lotzestr. 24; Haus der Landsmannschaft Gottinga, Nikolausberger Weg 25; Haus der Landsmannschaft Cimbria, Baurat-Gerber-Str. 5; Haus der Turnerschaft Normannia, Hoher Weg 1.

Der Kampfausschuß der Göttinger Studentenschaft: Wolff, Dittmann.

(Göttinger Zeitung, 5. Mai 1933)

Aktuelles

Zeitzeugen gesucht

Den 75. Jahrestag der Bücherverbrennung in Göttingen am 10. Mai 1933 nimmt die Stadt Göttingen zum Anlass, das Gedenken an die Bücherverbrennung in Zusammenarbeit mit der Georg - August - Universität...
Mehr...

Göttinger Bücherverbrennung

Göttingen, Mai 1933

Am 5. März 1933 notierte der Chronist des Göttinger Stadtarchivs: „Die heutige Reichs- und Landtagswahl brachte im Stadtkreis 63,7% der Stimmen für die Regierung Hitler, im Landkreise 61,9% im...
Mehr...

Autoren

VERBRENNUNGSWÜRDIG, SCHÄDLICH, UNERWÜNSCHT

Zunächst die Deutsche Studentenschaft, später das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda zeichnete verantwortlich für die fortlaufend erweiterten „Schwarzen Listen", in denen das...
Mehr...

Chronik

Aus der Chronik der Stadt Göttingen, 1932/33

Unsere heute so liberale und weltoffene Stadt war - mitsamt ihrer Universität - eine Hochburg der Nationalsozialisten. Gaben bei der Reichs- und Landtagswahl vom 5. März des Jahres im...
Mehr...

Die Göttinger Bücherverbrennung - Chronologie

Am 2. April 1933 kündigte das Berliner Hauptamt...
Mehr...

Die Täter

Friedrich Neumann

2.3.1889 (Kassel) - 12.12.1978 (Göttingen)...
Mehr...

Heinz Wolff - Karriere eines Bücherverbrenners

Heinz Wolff (1910 - 1987), der die Durchführung...
Mehr...

Der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB)

war die für die Durchführung der Aktion „Wider den undeutschen Geist" und der Bücherverbrennungen verantwortliche Gliederung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Die 1926...
Mehr...

Joseph Goebbels Rede bei der Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz (Auszüge)

Mit Schreiben vom 9. Mai 1933 hatte Joseph...
Mehr...

Chronik

Bücherverbrennungen nach 1945

Auch in der Nachkriegszeit kam es immer wieder zu...
Mehr...

Autoren

Die beliebtesten Autoren des Jahres 1930

Laut einer im Mai 1930 unter Bibliothekaren...
Mehr...

Verbrannte Bücher, verfolgte Schriftsteller

Es war die Deutsche Studentenschaft, welche die...
Mehr...

Autorinnen und Autoren der in Göttingen verbrannten Bücher  (laut Göttinger Tageblatt vom 11. Mai 1933)

Adler, Max | Asch, Schalom | Aufhäuser,...
Mehr...

Chronik

Topographie der Bücherverbrennungen: Orte, Tage

Aus organisatorischen Gründen fanden nicht alle...
Mehr...

Aktuelles

Die Totenmaske von Leonard Nelson

In der Ausstellung „und euch zum Trotz“ erstmals...
Mehr...

Ausstellung im Alten Rathaus

Öffnungszeiten

Di bis So | 10 bis 18 Uhr | Eintritt frei

Führungen

Jeweils dienstags und donnerstags | 17 Uhr | für Gruppen auch nach Vereinbarung und telefonischer Voranmeldung: 0551/400-2485 | Eintritt frei

Aufgrund der großen Resonanz werden zusätzliche öffentliche Führungen (Eintritt frei) durch die Ausstellung angeboten:
24. Mai | ab 12.00 Uhr
31. Mai | ab 10.00 Uhr

Veranstalter

Stadt Göttingen | Fachbereich Kultur
Tel: (0551) 400 2486 | kultur@goettingen.de
www.goettingen.de

Georg-August-Universität Göttingen
www.uni-goettingen.de

Jüdische Gemeinde Göttingen e.V.
www.liberale-juden.de/cms/index.php?id=24