. .
> Start > Göttinger Bücherverbrennung > Die Täter

Joseph Goebbels

Rede bei der Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz (Auszüge)

Mit Schreiben vom 9. Mai 1933 hatte Joseph Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, der Deutschen Studentenschaft auf eine Anfrage vom 3. Mai hin mitgeteilt, dass er bereit sei, am 10. um Mitternacht die „Feuerrede" bei der Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz zu halten.

Goebbels (1897 – 1945), der Germanistik studiert und bei einem jüdischen Doktorvater promoviert hatte, hielt sich selbst für einen begnadeten Schriftsteller und strebte zeitweise eine literarische Karriere an; in seinem im Bundesarchiv verwahrten Nachlass finden sich zahllose Zeugnisse für seine diesbezüglichen Versuche. Dort finden sich beispielsweise folgende Verse, unter dem Titel Warum liebe ich die Nacht?

Weil dann die Rosen duften,
Weil dann die Nachtigall singt,
Weil dann das Blut in den Adern
Wie tausend Hämmer klingt.
Bundesarchiv Koblenz, NL 118/126, 1 – 259, Bl. 56

Sein 1928 (u.ö.) im Druck erschienener Roman Michael. Ein deutsches Schicksal in Tagebuchblättern hebt mit folgenden Worten an: „Unter meinen Schenkeln schnaubt nicht mehr der Vollbluthengst".

Auf dem Berliner Opernplatz zog der Verfasser solcher Verse und Sätze in seiner Rede gegen Texte zu Felde, die er als „Schund und Schmutz" erachtete: gegen Literaten wie Heinrich Mann, Kurt Tucholsky, Erich Kästner.

Meine Kommilitonen! Deutsche Männer und Frauen! Das Zeitalter eines überspitzten jüdischen Intellektualismus ist nun zu Ende, und der Durchbruch der deutschen Revolution hat auch dem deutschen Weg wieder die Gasse freigemacht. Als am 30. Januar dieses Jahres die nationalsozialistische Bewegung die Macht eroberte, da konnten wir noch nicht wissen, daß so schnell und so radikal in Deutschland aufgeräumt werden könnte. Die Revolution, die damals ausbrach, ist von uns – das können wir heute offen gestehen – von langer Hand und planmäßig vorbereitet worden. […]

Die Bibliotheken füllten sich an mit dem Unrat und dem Schmutz dieser jüdischen Asphaltliteraten. […]

Ihr jungen Studenten seid Träger, Vorkämpfer und Verfechter der jungen, revolutionären Idee dieses Staates gewesen. […]

Wenn Ihr Studenten Euch das Recht nehmt, den geistigen Unflat in die Flammen hineinzuwerfen, dann müßt Ihr auch die Pflicht auf Euch nehmen, an die Stelle dieses Unrates einem wirklichen deutschen Geist die Gasse freizumachen. […]

"Wenn es Goebbels gelingt,
unsere Namen von den deutschen Tafeln zu löschen,
sind wir tot. Gespenster in der Diaspora, in der
wasserarmen Provinz. Schon die nächste Generation
wird nichts mehr von uns wissen."

René Schickele
Tagebuch-Eintrag vom 11. Dezember 1933
(Während des Exils in Frankreich)


Und deshalb tut Ihr gut daran, um diese mitternächtliche Stunde den Ungeist der Vergangenheit den Flammen anzuvertrauen. Das ist eine starke, große und symbolische Handlung, – eine Handlung, die vor aller Welt dokumentieren soll: Hier sinkt die geistige Grundlage der November-Republik zu Boden, aber aus diesen Trümmern wird sich siegreich erheben der Phönix eines neuen Geistes, – eines Geistes, den wir tragen, den mir fördern und dem wir das entscheidende Gewicht geben und die entscheidenden Züge aufprägen! So bitte ich Euch denn, […] in diesen Flammen nicht nur das Symbol des Niedergangs der alten Epoche, sondern auch des Aufstiegs der neuen Epoche zu erkennen. […]

Aktuelles

Zeitzeugen gesucht

Den 75. Jahrestag der Bücherverbrennung in Göttingen am 10. Mai 1933 nimmt die Stadt Göttingen zum Anlass, das Gedenken an die Bücherverbrennung in Zusammenarbeit mit der Georg - August - Universität...
Mehr...

Göttinger Bücherverbrennung

Göttingen, Mai 1933

Am 5. März 1933 notierte der Chronist des Göttinger Stadtarchivs: „Die heutige Reichs- und Landtagswahl brachte im Stadtkreis 63,7% der Stimmen für die Regierung Hitler, im Landkreise 61,9% im...
Mehr...

Autoren

VERBRENNUNGSWÜRDIG, SCHÄDLICH, UNERWÜNSCHT

Zunächst die Deutsche Studentenschaft, später das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda zeichnete verantwortlich für die fortlaufend erweiterten „Schwarzen Listen", in denen das...
Mehr...

Chronik

Aus der Chronik der Stadt Göttingen, 1932/33

Unsere heute so liberale und weltoffene Stadt war - mitsamt ihrer Universität - eine Hochburg der Nationalsozialisten. Gaben bei der Reichs- und Landtagswahl vom 5. März des Jahres im...
Mehr...

Die Göttinger Bücherverbrennung - Chronologie

Am 2. April 1933 kündigte das Berliner Hauptamt...
Mehr...

Die Täter

Friedrich Neumann

2.3.1889 (Kassel) - 12.12.1978 (Göttingen)...
Mehr...

Heinz Wolff - Karriere eines Bücherverbrenners

Heinz Wolff (1910 - 1987), der die Durchführung...
Mehr...

Der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB)

war die für die Durchführung der Aktion „Wider den undeutschen Geist" und der Bücherverbrennungen verantwortliche Gliederung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Die 1926...
Mehr...

Chronik

Bücherverbrennungen nach 1945

Auch in der Nachkriegszeit kam es immer wieder zu...
Mehr...

Autoren

Die beliebtesten Autoren des Jahres 1930

Laut einer im Mai 1930 unter Bibliothekaren...
Mehr...

Verbrannte Bücher, verfolgte Schriftsteller

Es war die Deutsche Studentenschaft, welche die...
Mehr...

Autorinnen und Autoren der in Göttingen verbrannten Bücher  (laut Göttinger Tageblatt vom 11. Mai 1933)

Adler, Max | Asch, Schalom | Aufhäuser,...
Mehr...

Chronik

Topographie der Bücherverbrennungen: Orte, Tage

Aus organisatorischen Gründen fanden nicht alle...
Mehr...

Aktuelles

Die Totenmaske von Leonard Nelson

In der Ausstellung „und euch zum Trotz“ erstmals...
Mehr...

Ausstellung im Alten Rathaus

Öffnungszeiten

Di bis So | 10 bis 18 Uhr | Eintritt frei

Führungen

Jeweils dienstags und donnerstags | 17 Uhr | für Gruppen auch nach Vereinbarung und telefonischer Voranmeldung: 0551/400-2485 | Eintritt frei

Aufgrund der großen Resonanz werden zusätzliche öffentliche Führungen (Eintritt frei) durch die Ausstellung angeboten:
24. Mai | ab 12.00 Uhr
31. Mai | ab 10.00 Uhr

Veranstalter

Stadt Göttingen | Fachbereich Kultur
Tel: (0551) 400 2486 | kultur@goettingen.de
www.goettingen.de

Georg-August-Universität Göttingen
www.uni-goettingen.de

Jüdische Gemeinde Göttingen e.V.
www.liberale-juden.de/cms/index.php?id=24