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Armin T. Wegner

16.10.1886 (Ebersfeld/Wuppertal) - 17.5.1978 (Rom)
Schriftsteller, Lyriker

Armin Theophil Wegner schloss sein Jurastudium in Breslau, Zürich und Berlin mit der Promotion ab und reiste anschließend durch Europa, Nordafrika und Vorderasien.
Im Ersten Weltkrieg kam er als Sanitäter nach Anatolien und musste die Vertreibung und Ermordung der Armenier durch die Türken miterleben. Als Augenzeuge hat er die grausamen Vorgänge literarisch und auch fotografisch festgehalten. Seine Hoffnung, über die kaiserliche Diplomatie Einfluss auf Verbündete nehmen zu können, wurde ebenso enttäuscht, wie die, dass sich die Siegermächte für die Armenier einsetzen würden. Auch seine Petition an den US-Präsidenten konnte nichts bewirken. Durch diese Erfahrungen wurde er zum unbeugsamen Moralisten und Pazifisten.

Nach dem Krieg nahm er seine Reisen wieder auf. Die 1927/28 unternommene Reise durch die Sowjetunion war Auslöser für sein Buch Fünf Finger über Dir, das eine Auseinandersetzung mit dem Kommunismus und der Ausübung politischer Gewalt ist.

Dem aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland versuchte er sich mit ungewöhnlichen Mitteln entgegenzustemmen. Nach den ersten Angriffen auf jüdische Geschäfte 1933 schrieb er einen offenen Brief an Adolf Hitler, in dem er gegen die Judenverfolgung protestierte. Als keine Zeitung ihn druckte, schickte er ihn an Hitler persönlich. Scheinbar naiv, versuchte er den „Reichskanzler" davon zu überzeugen, dass Deutsche und Juden einander sehr ähnlich seien und Deutschland die Juden brauche. Es ginge nicht um das Schicksal der jüdischen Brüder allein, sondern auch um das Schicksal Deutschlands. Er forderte Hitler auf, dem Treiben Einhalt zu gebieten. Wie zu erwarten, wurde er verhaftet und gefoltert. Doch er wurde wieder freigelassen und emigrierte sofort über England nach Palästina, übersiedelte dann 1936 nach Positano in Italien. Der weltläufige Reiseschriftsteller wollte sein Heimatland nicht verlassen: „Auswandern ist wie sterben", schrieb er.

Er lehrte deutsche Sprache und Literatur an der Universität in Padua, war dann freier Schriftsteller in Rom und auf Stromboli.

Auf dem ersten deutschen Schriftstellerkongress 1947 in Berlin wurde der vermeintlich verschollene Wegner zu den umgekommenen Opfern des Nationalsozialisten gezählt. Er hatte glücklicherweise noch viele Jahre vor sich, starb aber von den Deutschen vergessen.

In Israel wurde er durch einen Baum in der Allee der Gerechten der Völker in Yad Vashem geehrt, die Armenier haben ihm postum ein Staatsbegräbnis in ihrer Hauptstadt Eriwan (Jerewan) ausgerichtet.

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Öffnungszeiten

Di bis So | 10 bis 18 Uhr | Eintritt frei

Führungen

Jeweils dienstags und donnerstags | 17 Uhr | für Gruppen auch nach Vereinbarung und telefonischer Voranmeldung: 0551/400-2485 | Eintritt frei

Aufgrund der großen Resonanz werden zusätzliche öffentliche Führungen (Eintritt frei) durch die Ausstellung angeboten:
24. Mai | ab 12.00 Uhr
31. Mai | ab 10.00 Uhr

Veranstalter

Stadt Göttingen | Fachbereich Kultur
Tel: (0551) 400 2486 | kultur@goettingen.de
www.goettingen.de

Georg-August-Universität Göttingen
www.uni-goettingen.de

Jüdische Gemeinde Göttingen e.V.
www.liberale-juden.de/cms/index.php?id=24