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Theodor Plievier (bis 1933 Plivier)

12.2.1892 (Berlin) - 12.3.1955 (Avegno/Schweiz)
Schriftsteller

Plievier war der Sohn eines Feilenhauers aus dem „Roten Wedding". Bereits mit 17 Jahren schrieb er, der nur den Volksschulabschluss hatte, für eine Arbeiterzeitung. Seine Stuckateurlehre schmiss er hin und wanderte durch Europa. Dann fuhr er als Matrose der deutschen Handelsflotte zur See und arbeitete 1910-1913 in chilenischen Salpeterminen.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges meldet er sich freiwillig zur Kaiserlichen Marine. Wegen der schlechten Bedingungen an Bord des Hilfskreuzers Wolf, der zudem über 400 Tage keinen Hafen anlief, wurde er zum Revolutionär und beteiligte sich im November 1918 in Wilhelmshaven an den Unruhen, die sich bald zum Kieler Matrosenaufstand ausweiteten.

Nach Kriegsende wurde er Mitbegründer einer lebensreformistischen Kommune und eines anarchistischen Verlags. Er wandelte sich zum langbärtigen Propheten in Kutte und Sandalen, der die „Weltwende" verkündete.

1920 heiratete er eine Berliner Schauspielerin und arbeitete wieder als Matrose und Gelegenheitsarbeiter, dann auch als Journalist, Übersetzer und Schriftsteller. Er ging erneut nach Südamerika und verdiente sich sein Geld als Viehtreiber und Sekretär des deutschen Vizekonsuls in Pisagua.

1930 hatte er mit seinem ersten Roman Des Kaisers Kulis großen Erfolg. Das Buch ist eine Abrechnung mit den menschenunwürdigen Verhältnissen, unter denen die Matrosen bei der kaiserlichen Kriegsmarine dienen mussten.

1933 landete das Buch auf der „Schwarzen Liste" der Nationalsozialisten. Mit seiner Frau floh er über Prag, Zürich und Oslo nach Moskau. Hier änderte er seinen Namen in Plievier.

Wegen der stalinistischen Zensur schrieb er während der Emigration nur harmlose Abenteuergeschichten.

1942 wurden ihm Briefe gefangener und gefallener deutscher Soldaten zu Auswertung übergeben. Daraus entstand sein 1945 veröffentlichter Roman Stalingrad, der später erfolgreich verfilmt und auch als Theaterstück inszeniert wurde. Er schildert am Beispiel einzelner Schicksale den Untergang der 6. Armee.

Nach Kriegsende ging er in amtlicher Funktion der Roten Armee nach Weimar, war zwei Jahre lang Landtagsabgeordneter und Kulturfunktionär in der DDR. Da er den dortigen politischen Entwicklungen nicht folgen mochte, übersiedelte er 1948 als freier Schriftsteller nach Hamburg. Seine eigene politische Entwicklung schilderte er in einer 1948 auf dem Schriftstellerkongress gehaltenen Rede mit dem Titel: „Einige Bemerkungen über die Bedeutung der Freiheit".

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Öffnungszeiten

Di bis So | 10 bis 18 Uhr | Eintritt frei

Führungen

Jeweils dienstags und donnerstags | 17 Uhr | für Gruppen auch nach Vereinbarung und telefonischer Voranmeldung: 0551/400-2485 | Eintritt frei

Aufgrund der großen Resonanz werden zusätzliche öffentliche Führungen (Eintritt frei) durch die Ausstellung angeboten:
24. Mai | ab 12.00 Uhr
31. Mai | ab 10.00 Uhr

Veranstalter

Stadt Göttingen | Fachbereich Kultur
Tel: (0551) 400 2486 | kultur@goettingen.de
www.goettingen.de

Georg-August-Universität Göttingen
www.uni-goettingen.de

Jüdische Gemeinde Göttingen e.V.
www.liberale-juden.de/cms/index.php?id=24