Hanns Heinz Ewers
3.11.1871 (Düsseldorf) - 12.6.1943 (Berlin)
Schriftsteller und Kabarettist, Filmemacher, Weltreisender, Okkultist.
Ewers, im Jahre 1914 auf einem zum Ball zum „schönsten Mann Berlins" gewählt, war eine der schillerndsten Figuren der Literaturgeschichte und einer der größten Erfolgsautoren der Zeit - und ein ideologischer Wechselbalg.
Reisen führten ihn in nahezu alle Gegenden der Welt; in der Karibik nahm er an Voodoo-Ritualen teil, in den USA machte er die Bekanntschaft des berüchtigten Satanisten Aleister Crowley. In Mexiko und Spanien spionierte er für den deutschen Geheimdienst (1915). Über viele Jahre hinweg machte er exzessive Erfahrungen mit halluzinogenen Drogen.
Er trat seit jungen Jahren für die Gleichberechtigung Homosexueller ein und unterstützte die Petitionen zur Abschaffung der Strafbarkeit der Homosexualität (1923). Gegen ihn wurden Geldstrafen wegen „unzüchtiger Schriften" verhängt, mehrfach wurde er inhaftiert. Wechselnde Liebschaften mit zahlreichen Frauen prägten sein Leben.
Ab 1905 trat er für die Idee einer „deutsch-jüdischen Kulturnation" ein und bezeichnete sich selbst als „Philosemiten". Bis 1932 setzte er sich für die Errichtung eines Heinrich Heine-Denkmals in Düsseldorf ein. Als er 1920 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft nach Deutschland zurückkehrte, bot er dem linksdemokratischen, jüdischen Politiker Walter Rathenau seine Unterstützung an. Nach dessen Ermordung durch Rechtsradikale 1922 trat er der Deutschnationalen Volkspartei bei, die sich später der NSDAP anschloss.
1909 zählte Ewers zu den Mitbegründern des linksorientierten Schutzverbandes deutscher Schriftsteller - an dessen Gleichschaltung durch die Nazis im Jahre 1933 er in Zusammenarbeit mit Joseph Goebbels allerdings ebenfalls aktiv beteiligt war.
Freundschaften verbanden ihn mit vielen der von den Nazis verfemten Dichtern: Erich Mühsam, Else Lasker-Schüler, Frank Wedekind, Maximilian Harden und René Schickele, auch mit dem Begründer der Sexual-Wissenschaft, Magnus Hirschfeld.
Seit 1926 kannte er den SA-Mann und späteren NS-Heiligen Horst Wessel, der als Komparse in einem seiner Filme auftrat. Wessel wurde 1930 ermordet; ihm widmete er einen Roman und einen Film. Auch mit SA-Chef Ernst Röhm war er befreundet.
Ende 1931 wurde Ewers per Handschlag Adolf Hitlers persönlich in die NSDAP aufgenommen. Als die Nazis in der sogenannten „Nacht der langen Messer" 1934 Ernst Röhm und ca. 200 Mitglieder der SA umbrachten, stand auch Ewers auf der Todesliste, konnte aber entkommen. Ab diesem Jahr wurden seine Werke verboten. Nun wandte er sich vom Nationalsozialismus ab, unterstützte verfolgte Juden und Widerstandskämpfer. Eine Liebesbeziehung verband ihn mit einer Frau jüdischer Abstammung. 1937 wurde gegen ihn ein Schreibverbot verhängt. Seine in der Verbotszeit entstandenen Satiren auf die Naziherrschaft sind bisher unveröffentlicht.
Ewers ist heute bekannt für das Berlinerische Wort „Kintopp" (Kino), als dessen Erfinder er gilt (1907), sowie als Schöpfer des Films Der Student von Prag (1913). Sein literarisches Werk ist heute in Deutschland weitgehend vergessen.
Aktuelles
Zeitzeugen gesucht
Göttinger Bücherverbrennung
Göttingen, Mai 1933
Autoren
VERBRENNUNGSWÜRDIG, SCHÄDLICH, UNERWÜNSCHT
Chronik
Aus der Chronik der Stadt Göttingen, 1932/33
Die Göttinger Bücherverbrennung - Chronologie
Heinz Wolff - Karriere eines Bücherverbrenners
Der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB)
Joseph Goebbels Rede bei der Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz (Auszüge)
Autoren
Die beliebtesten Autoren des Jahres 1930
Verbrannte Bücher, verfolgte Schriftsteller
Autorinnen und Autoren der in Göttingen verbrannten Bücher (laut Göttinger Tageblatt vom 11. Mai 1933)
Chronik
Topographie der Bücherverbrennungen: Orte, Tage
Aktuelles
Die Totenmaske von Leonard Nelson
Ausstellung im Alten Rathaus
Öffnungszeiten
Di bis So | 10 bis 18 Uhr | Eintritt frei
Führungen
Jeweils dienstags und donnerstags | 17 Uhr | für Gruppen auch nach Vereinbarung und telefonischer Voranmeldung: 0551/400-2485 | Eintritt frei
Aufgrund der großen Resonanz werden zusätzliche öffentliche Führungen (Eintritt frei) durch die Ausstellung angeboten:
24. Mai | ab 12.00 Uhr
31. Mai | ab 10.00 Uhr
Veranstalter
Stadt Göttingen | Fachbereich Kultur
Tel: (0551) 400 2486 | kultur@goettingen.de
www.goettingen.de
Georg-August-Universität Göttingen
www.uni-goettingen.de
Jüdische Gemeinde Göttingen e.V.
www.liberale-juden.de/cms/index.php?id=24
Weitere Informationen im Netz
Links & Tipps
- Haus der bayerischen Geschichte: Online-Ausstellung zur Bücherverbrennung
- Dokumente zur Bücherverbrennung im United States Holocaust Memorial Museum (u.a. Film der Goebbels-Rede in Berlin)
- Bibliothek der verbrannten Bücher
- Beiträge und Literaturquiz zum Jahr 1933, zur Bücherverbrennung und zum Exil
- Zusammenstellung von über 200 AutorInnen und Sekundärliteratur zum Thema Bücherverbrennung und Exilliteratur





