Erich Kästner
23.2.1899 (Dresden) - 29.7.1974 (München)
Schriftsteller, Drehbuchautor, Kabarettist.
Erich Kästner ist, soweit man weiß, der einzige Schriftsteller, welcher sich die Verbrennung seiner eigenen Bücher ansah - auf dem Opernplatz in Berlin, wo Joseph Gobbels die „Brandrede" hielt. In seinem 1946 erschienenen Werk Bei Durchsicht meiner Bücher berichtete er:
„Und im Jahre 1933 wurden meine Bücher in Berlin, auf dem großen Platz neben der Staatsoper, von einem gewissen Herrn Goebbels mit düster feierlichem Pomp verbrannt. Vierundzwanzig deutsche Schriftsteller, die symbolisch für immer ausgetilgt werden sollten, rief er triumphierend bei Namen. Ich war der einzige der Vierundzwanzig, der persönlich erschienen war, um dieser theatralischen Frechheit beizuwohnen. Ich stand vor der Universität, eingekeilt zwischen Studenten in SA-Uniform, den Blüten der Nation, sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen und hörte die schmalzigen Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners. Begräbniswetter hing über der Stadt. Der Kopf einer zerschlagenen Büste Magnus Hirschfelds stak auf einer langen Stange, die, hoch über der stummen Menschenmenge, hin und her schwankte. Es war widerlich. Plötzlich rief eine schrille Frauenstimme: Dort steht ja Kästner! Eine junge Kabarettistin, die sich mit einem Kollegen durch die Menge zwängte, hatte mich stehen sehen und ihrer Verblüffung übertrieben laut Ausdruck verliehen. Mir wurde unbehaglich zumute. Doch es geschah nichts. (Obwohl in diesen Tagen gerade sehr viel zu geschehen pflegte.) Die Bücher flogen weiter ins Feuer. Die Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners ertönten weiterhin. Und die Gesichter der braunen Studentengarde blickten, die Sturmriemen unterm Kinn, unverändert geradeaus, hinüber zu dem Flammenstoß und zu dem psalmodierenden, gestikulierenden Teufelchen. In dem folgenden Jahrdutzend sah ich Bücher von mir nur die wenigen Male, die ich im Ausland war. In Kopenhagen, in Zürich, in London. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, ein verbotener Schriftsteller zu sein und seine Bücher nie mehr in den Regalen und Schaufenstern der Buchläden zu sehen. In keiner Stadt des Vaterlands. Nicht einmal in der Heimatstadt. Nicht einmal zu Weihnachten, wenn die Deutschen durch die verschneiten Straßen eilen, um Geschenke zu besorgen."
Aktuelles
Zeitzeugen gesucht
Göttinger Bücherverbrennung
Göttingen, Mai 1933
Autoren
VERBRENNUNGSWÜRDIG, SCHÄDLICH, UNERWÜNSCHT
Chronik
Aus der Chronik der Stadt Göttingen, 1932/33
Die Göttinger Bücherverbrennung - Chronologie
Heinz Wolff - Karriere eines Bücherverbrenners
Der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB)
Joseph Goebbels Rede bei der Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz (Auszüge)
Autoren
Die beliebtesten Autoren des Jahres 1930
Verbrannte Bücher, verfolgte Schriftsteller
Autorinnen und Autoren der in Göttingen verbrannten Bücher (laut Göttinger Tageblatt vom 11. Mai 1933)
Chronik
Topographie der Bücherverbrennungen: Orte, Tage
Aktuelles
Die Totenmaske von Leonard Nelson
Ausstellung im Alten Rathaus
Öffnungszeiten
Di bis So | 10 bis 18 Uhr | Eintritt frei
Führungen
Jeweils dienstags und donnerstags | 17 Uhr | für Gruppen auch nach Vereinbarung und telefonischer Voranmeldung: 0551/400-2485 | Eintritt frei
Aufgrund der großen Resonanz werden zusätzliche öffentliche Führungen (Eintritt frei) durch die Ausstellung angeboten:
24. Mai | ab 12.00 Uhr
31. Mai | ab 10.00 Uhr
Veranstalter
Stadt Göttingen | Fachbereich Kultur
Tel: (0551) 400 2486 | kultur@goettingen.de
www.goettingen.de
Georg-August-Universität Göttingen
www.uni-goettingen.de
Jüdische Gemeinde Göttingen e.V.
www.liberale-juden.de/cms/index.php?id=24
Weitere Informationen im Netz
Links & Tipps
- Haus der bayerischen Geschichte: Online-Ausstellung zur Bücherverbrennung
- Dokumente zur Bücherverbrennung im United States Holocaust Memorial Museum (u.a. Film der Goebbels-Rede in Berlin)
- Bibliothek der verbrannten Bücher
- Beiträge und Literaturquiz zum Jahr 1933, zur Bücherverbrennung und zum Exil
- Zusammenstellung von über 200 AutorInnen und Sekundärliteratur zum Thema Bücherverbrennung und Exilliteratur





