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Albert Ehrenstein

23.12.1886 (Wien) - 8.4.1950 (New York)
Jüdischer Lyriker, Erzähler, Literaturkritiker und Übersetzer

Obwohl seine Familie in ärmlichen Verhältnissen lebte, ermöglichte seine Mutter Albert Ehrenstein den Besuch des Gymnasiums. Schon während seiner Schulzeit schrieb er erste Satiren; er studierte Geschichte und Philosophie in Wien und wurde 1910 promoviert. Ehrenstein entschied sich gegen eine wissenschaftliche und für eine literarische Karriere.

Das Gedicht Wanderers Lied, von Karl Kraus 1910 in der Fackel publiziert, machte ihn über Nacht berühmt.

Ehrenstein gilt als wichtiger Wegbereiter des literarischen Expressionismus und schrieb für die Zeitschriften Der Sturm und Die Aktion.

Abwechselnd in Wien und Berlin lebend, verstand er sich Literat der Avantgarde. Doch seinen Lebensunterhalt musste er sich als Zeitungsschreiber verdienen. Mit seinen kompromiss- und respektlosen Artikeln machte er sich nicht eben beliebt.

Als überzeugter Pazifist teilte er 1914 die Kriegseuphorie vieler seiner Künstlerkollegen nicht. Kriegsdienstuntauglich eingestuft, absolvierte er seinen Dienst während des Ersten Weltkrieges im Wiener Kriegsarchiv. Seine Kriegsgegnerschaft brachte er in vielen Gedichten und Artikeln zum Ausdruck; nach Kriegsende unterstützte er die Revolution. Er trat für einen ethisch ausgerichteten Sozialismus ein und hoffte auf die Entwicklungen in der Sowjetunion, bis die stalinistischen Schauprozesse des Jahres 1937 ihn schwer enttäuschten.

Er gehörte zum Kreis der ersten dadaistischen Zeitschrift Neue Jugend, die schnell aus politischen Gründen verboten wurde.

In den 20er Jahren reiste er durch Europa, Afrika, den Nahen Osten und nach China. Die chinesische Literatur beeindruckte ihn nachhaltig, so dass er zahlreiche Übersetzungen wie Nachdichtungen schuf und 1931 nach chinesischem Vorbild den Erfolgsroman Mörder aus Gerechtigkeit verfasste.

Bedingt durch die politischen Umstände ging er 1932 in die Schweiz, unterstützt von Hermann Hesse und Franz Werfel. Da er aber nur eine befristete Aufenthaltsgenehmigung erhielt, war er von Auslieferung bedroht. Ehrenstein nahm die tschechische Staatsbürgerschaft an und ging nach England, wohin sein Bruder Carl inzwischen emigriert war.

1941 konnte er über Frankreich und Spanien mit einem Notvisum des American Emergency Rescue Committee in die USA ausreisen. Mit der Unterstützung anderer Exilanten (wie Thomas Mann) bekam er eine Aufenthaltsgenehmigung, konnte sich aber mit seinen wenigen Publikationen nicht über Wasser halten. Freunde, so George Grosz, unterstützten ihn, obwohl sie selbst oft in finanziellen Schwierigkeiten waren.

1949 kam er nach Deutschland zurück, fand aber keinen Verleger. Desillusioniert und vergessen reiste er wieder nach Amerika, wo er in einem Armenhospiz starb - als vergessener Schriftsteller.

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Öffnungszeiten

Di bis So | 10 bis 18 Uhr | Eintritt frei

Führungen

Jeweils dienstags und donnerstags | 17 Uhr | für Gruppen auch nach Vereinbarung und telefonischer Voranmeldung: 0551/400-2485 | Eintritt frei

Aufgrund der großen Resonanz werden zusätzliche öffentliche Führungen (Eintritt frei) durch die Ausstellung angeboten:
24. Mai | ab 12.00 Uhr
31. Mai | ab 10.00 Uhr

Veranstalter

Stadt Göttingen | Fachbereich Kultur
Tel: (0551) 400 2486 | kultur@goettingen.de
www.goettingen.de

Georg-August-Universität Göttingen
www.uni-goettingen.de

Jüdische Gemeinde Göttingen e.V.
www.liberale-juden.de/cms/index.php?id=24