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Heinz Wolff - Karriere eines Bücherverbrenners

Heinz WolffHeinz Wolff (1910 - 1987), der die Durchführung der Bücherverbrennung in Göttingen leitete, war seit 1932 Führer der Göttinger Studentenschaft. Am 1. September 1931 war er in Göttingen in die NSDAP und den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund eingetreten.
Sein Studium schloss er 1935 mit einer literaturwissenschaftlichen Promotion ab. Sein Doktorvater war Friedrich Neumann (1889 - 1978), der Rektor der Georg-August-Universität.
Wolff war ein glühender, demagogisch und publizistisch begabter Nationalsozialist, dessen Schriften und Reden von bösartigen anti-jüdischen und -demokratischen Parolen strotzten.

Am 5. Mai erschien ein von ihm verfasster Aufruf des Kampfausschusses Göttinger Studenten in der Göttinger Zeitung: „Deutsche Volksgenossen! Der jüdische Geist, wie er sich in der Welthetze in seiner ganzen Hemmungslosigkeit offenbart und wie er bereits im deutschen Schrifttum seinen Niederschlag gefunden hat, muss ebenso wie der Liberalismus hemmungslos ausgemerzt werden."

Sein aggressives Auftreten und seine bedingungslose Treue zu Adolf Hitler weckten rasch die Aufmerksamkeit höherer Stellen. Die Kreisleitung der NSDAP stellte ihm folgendes Zeugnis aus:
Parteigenosse Dr. Wolff [...] hat sich um die politische Ausrichtung der Studentenschaft und für den Aufbau des NSD.-Studentenbundes durch unermüdlichen und erfolgreichen Einsatz besonders verdient gemacht. [...] Die Bewegung in Göttingen verdankt seinem Können, seiner Tatkraft, seiner schriftstellerischen wie rednerischen Tätigkeit außerordentlich viel. In Anerkennung seiner Verdienste um die Bewegung ist Parteigenosse Dr. Wolff Ende 1935 nach Berlin berufen worden, um dort bei der Reichsleitung des NSD.-Studentenbundes und im Stabe des stellvertretenden Führers verantwortlich eingesetzt zu werden." 

Nun begann eine steile Karriere, die 1945 nur kurz unterbrochen, aber keineswegs beendet war:

1937: Rückkehr an die Universität Göttingen als Geschäftsführer des Studentenwerks. 
1938: Kreisschuungsleiter der NSDAP in Göttingen.
1939: Leiter des Amtes Presse und Propaganda der Reichsstudentenführung in Berlin; Hauptschriftleiter des Zentralorgans des NS-Studentenbundes Die Bewegung.
1942: Leiter des Reichspropaganda-Amtes (der direkt nachgeordneten Behörde des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda auf Gauebene) in Salzburg; Landeskulturwart, Leiter der Salzburger Festspiele.
1944: Gaurat von Salzburg.
1945: Verhaftung durch die Alliierten, über 14 Monate in verschiedenen amerikanischen Internierungslagern, zuletzt in Dachau.
1950: Redakteur beim Generalanzeiger in Wuppertal.
1963 bis 1975: Leiter der Lokalredaktion Wuppertal und Stellvertretender Chefredakteur des Generalanzeigers.
1971: Stellvertretender Chefredakteur der Westdeutschen Zeitung.
In diesen Jahren auch Vorsitzender des Vereins Bergische Presse, Vorstandsmitglied des Rheinländisch-Westfälischen Journalistenverbandes, stellvertretender Bundesvorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes, Mitglied des Deutschen Presserates, Mitglied des städtischen Presse- und Werbeausschusses, im Vorstand des Bürgervereins Elberfelder Südstadt und des Zoovereins, Gründungsmitglied, stellvertretender Vorsitzender und Ehrenmitglied der Gesellschaft der Freunde der Bergischen Universität Wuppertal, im Beirat des Bergischen Geschichtsvereins (Abt. Wuppertal), Präsident des Rotary Clubs Wuppertal und Herausgeber der Zeitschrift der deutschen und österreichischen Rotarier.
1976: Wahl zum Sprecher des Deutschen Presserates; Rücktritt schon nach wenigen Tagen, nachdem seine nationalsozialistische Vergangenheit durch Journalisten aufgedeckt wurde.
1979: Crecelius-Medaille des Bergischen Geschichtsvereins.
1981: Verleihung des Rheinlandtalers durch den Landschaftsverband.
1985: Ehrenmitglied der Gesellschaft der Freunde der Bergischen Universität Wuppertal.

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Öffnungszeiten

Di bis So | 10 bis 18 Uhr | Eintritt frei

Führungen

Jeweils dienstags und donnerstags | 17 Uhr | für Gruppen auch nach Vereinbarung und telefonischer Voranmeldung: 0551/400-2485 | Eintritt frei

Aufgrund der großen Resonanz werden zusätzliche öffentliche Führungen (Eintritt frei) durch die Ausstellung angeboten:
24. Mai | ab 12.00 Uhr
31. Mai | ab 10.00 Uhr

Veranstalter

Stadt Göttingen | Fachbereich Kultur
Tel: (0551) 400 2486 | kultur@goettingen.de
www.goettingen.de

Georg-August-Universität Göttingen
www.uni-goettingen.de

Jüdische Gemeinde Göttingen e.V.
www.liberale-juden.de/cms/index.php?id=24