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2.3.1889 (Kassel) - 12.12.1978 (Göttingen)
Literaturwissenschaftler und Historiker, 1933 - 1938 Rektor, 1938 - 1943 Prorektor der Georg-August-Universität

Die „Kundgebung" zur Bücherverbrennung begann vor dem Auditorium Maximum der Universität mit einer Ansprache Friedrich Neumanns, den ein beinahe freundschaftlich geprägtes Lehrer-Schüler-Verhältnis mit Heinz Wolff, dem Führer des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes, verband.

Er brachte dabei „zum Ausdruck, daß es im Kampfe wider den undeutschen Geist mit einer symbolhaften Handlung allein noch nicht getan sei. Vielmehr gelte es in jedem einzelnen Falle die Frage zu stellen und zu prüfen, was schädlich und undeutsch sei. immer wieder wären wir in den letzten Jahren dem schädlichen Einfluß des zersetzenden Literatums verfallen, ohne das eine kraftvolle Gegenwirkung erfolgte" (Göttinger Tageblatt, 11.5.1933).

Neumann, im Ersten Weltkrieg Frontsoldat, war der NSDAP am 1. Mai 1933 beigetreten und seit der „Machtübernahme" Rektor der Universität. In seiner ideologischen Beurteilung durch die NSDAP-Kreisleitung vom 27.1.1936 heißt es: „Seine politische Zuverlässigkeit wird auf Grund seiner aktiven Haltung im nationalsozialistischen Sinne bejaht. N[eumann]. ist Ratsherr der Stadt Göttingen und Führer der Sektion Göttingen der Nordischen Gesellschaft. Er besitzt das Vertrauen der Partei."

In zumindest zwei Fällen war er aktiv an der Entziehung der Doktortitel jüdischer Wissenschaftler beteiligt.

„Friedrich Neumann verdankte seine Ernennung zum Rektor der Georg-August-Universität dem Umstand, dass er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten sowohl für überzeugte Nationalsozialisten als auch für ältere und weitestgehend unpolitische Professoren tragbar war. [...] Während des „Dritten Reiches" trat Neumanns wissenschaftliche Arbeit hinter seinen hochschulpolitischen und weltanschaulichen Aktivitäten zurück. Er trat der SS als Fördermitglied bei, leitete NS-Dozentenakademien und richtete die Neubesetzung von Lehrstühlen streng nach nationalsozialistischen Vorgaben aus. 1945 wurde Neumann seines Amtes enthoben, in seinem Entnazifizierungsverfahren 1949 jedoch nur als Mitläufer eingestuft. Schon ein Jahr später galt er als entlastet und wurde 1954 ordnungsgemäß emeritiert" (Kerstin Thieler: „[...] des Tragens eines deutschen akademischen Grades unwürdig." Die Entziehung von Doktortiteln an der Georg-August-Universität Göttingen im „Dritten Reich", Göttingen 2004, S. 13 ff.).

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Ausstellung im Alten Rathaus

Öffnungszeiten

Di bis So | 10 bis 18 Uhr | Eintritt frei

Führungen

Jeweils dienstags und donnerstags | 17 Uhr | für Gruppen auch nach Vereinbarung und telefonischer Voranmeldung: 0551/400-2485 | Eintritt frei

Aufgrund der großen Resonanz werden zusätzliche öffentliche Führungen (Eintritt frei) durch die Ausstellung angeboten:
24. Mai | ab 12.00 Uhr
31. Mai | ab 10.00 Uhr

Veranstalter

Stadt Göttingen | Fachbereich Kultur
Tel: (0551) 400 2486 | kultur@goettingen.de
www.goettingen.de

Georg-August-Universität Göttingen
www.uni-goettingen.de

Jüdische Gemeinde Göttingen e.V.
www.liberale-juden.de/cms/index.php?id=24